Allgemein Rituale

Alte Heilsegen

Unzählige Sprüchlein oder Rituale wurden über Generationen im Volksmund weiter gegeben. Vieles davon ist im Laufe der Jahre verloren gegangen, aber so manche Weisheiten haben die Zeit überlebt. Natürlich sollte man die folgenden Heilsegen  mit einem Schmunzeln und einem zwinkernden Auge lesen. Eine Anwendung ist, wenn überhaupt, bei den meisten Segen nur in abgewandelter Form zu empfehlen. Der Rest bleibt ein spannendes Kulturgut aus längst vergangenen Zeiten.

Interessant ist vor allem die Kombination heidnischer Rituale mit Elementen des christlichen Glaubens. Alte Bräuche wurden kurzerhand ins Christentum integriert und – wenngleich offiziell verpönt – weiterhin geduldet.

 

Heilsegen gegen Brandwunden

Stammt aus dem sächsischen Erzgebirge

Unser Herr Jesus ging über Land,
was hatte er in seiner Hand?
Einen Brand, einen Brand. 

 

Spruch gegen Rotlauf, Wundrose

Kommt aus dem Vogtlande

Rotlaufen, Todlaufen,
wo bist du hergekommen?
Du sollst kein Brot essen,
sollst kein Blut trinken,
sollst ins tiefe Meer versinken!

 

Eine Geschwulst besprechen

Es gingen drei reine Jungfrauen.
Sie wollten eine Geschwulst und Krankheit beschauen.
Die eine sprach: „Es ist Heisch“.
Die andere sprach: „Ist es nicht!“
Und die dritte sprach: „Ist es denn nicht, so komm’ unser lieber Herr Jesu Christ!
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

 

Gegen Warzen

(Spruch muss bei einer Leiche gesprochen werden)

Warz, Warz weich,
s’kommt a schwarze Leich!
War, Warz nimm ab,
wie der Tod im Grab!

 

Gegen Kropf, Gewächs und Überbein

Kropf, Gewächs und Überbein,
werde nicht wie dieser Stein,
sondern nehme ab,
wie der Tod im Grab.

 

Um Blutungen zu stillen

Blut steh’ still!
Blut du sollst stille stehn,
wie der Odem der Toten!

 

Gegen Zahnschmerzen und Gicht

(bei zunehmendem Mond)

Sei uns willkommen helles Licht,
für den Zahn und für die Gicht,
benimm mir alle Würmelein,
die mir verzehren mein Gebein. 

 

Gegen Rheuma und Gicht

(Spruch bei einer Fichte gesprochen)

Guten Abend Fichte,
nimm mir meine Gichte,
Rheumatismus und auch Reißen,
soll aus meinem Körper weichen. 

 

Gegen Krankheiten durch böse Geister

(muss dreimal wiederholt werden)

Du Erz-Zaubergeist
Hast den (Name) angegriffen
So fall die Krankheit wieder von ihm ab,
in dein Mark und dein Blut,
so ist es dir wiederum heimgesagt,
ich beschwöre dich
um der fünf Wunden Jesu
zu dieser Stund,
lass den (Name) wieder werden gesund,
du böser Geist in diesem Fleisch,
Mark und Bein,
ich beschwöre dich mit Gott allein,
im Namen des Vaters,
des Sohnes
und des Heiligen Geistes. 

 

Gegen Schmerzen einer frischen Wunde

Unser lieber Herr Jesus Christ
Hat viele Beulen und Wunden gehabt
Und doch keine verbunden,
sie geschwären nicht,
es gibt auch kein Eiter nicht.
Jonas war blind,
sprach das himmlische Kind,
so wahr die heiligen fünf Wunden sein geschlagen,
sie gerinnen nicht,
geschwären nicht,
sie geschwellen nicht,
daraus nehm ich Wasser und Blut,
das ist mir vor alle Wunden,
Schäden und Schmerzen gut.
Heilig ist der Name,
der alle Schäden und Wunden heilen kann.
Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen. 

 

Spruch bei Wunden

(3x)
Die Wunde verbinde ich in drei Namen,
dass du an dich nimmst
Glut, Wasser, Schwinden,
Geschwulst und alles,
was der Geschwulst Schaden mag sein,
im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit. 

Dann fahre mit einem Faden dreimal um die Wunde herum, danach lege den Faden an einen Ort, wo die Sonne hinscheint, und sprich:

Ich lege dich dahin
Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes,
dass du an dich nimmst Gliedwasser,
Geschwulst und Eiter
Und alles, was der Wunde Schaden sein mag,
im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes, Amen. 

Anschließend betet man ein Vaterunser

 

Krankheiten übertragen

Ein beliebtes Mittel Krankheiten loszuwerden, war sie auf Gegenstände zu übertragen die anschließend verfaulten.

Warzen wurde man los in dem man sie mit einem Stück Speck oder einer Zwiebel abrieb.
Der Speck oder die Zwiebel warf man anschließend auf den Müll und ließ sie verderben. Verfaulte die Zwiebel, verfaulten auch die Warzen.

 

Rezept gegen den Kropf

Man gehe bei abnehmendem Mond auf den Friedhof, grabe zu einer vollen Stunde die Gebeine eines Toten aus, bestreiche mit einem Knochen den Kropf, schaue dabei auf den Mond und spreche:

„Was ich sehe, nimmt ab,
und was ich streiche, nehme auch ab,
im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.“

(Ich glaube man muss nicht dazusagen, dass obiges Rezept unter Grabschändung fallen würde.)

 

Rezept gegen Zahnschmerzen

Nimm einen Zahn aus einem Totenkopfe, der soeben aus der Erde kommt, reibe damit bei abnehmendem Mond den schmerzhaften Zahn, so wird das Zahnweh verschwinden.

 

Rezept gegen den Kropf Nr.2

Man mache in eine an einem fließenden Wasser stehende Weide einen senkrechten und an deren Ende zwei horizontale Einschnitte, schlage die Rinde zu beiden Seiten zurück, schneide einen Span heraus und reibe mit diesem den Kropf, bis er warm ist.
Dann setze man den Span geschwind wieder an seine Stelle, schlage die Rinde wieder über ihm zusammen und binde sie ihm mittels eines Bindfadens um den Baum fest zu. Wenn der Span anfängt zu verwachsen, soll auch der Kropf verwachsen sein.

Dieses Rezept funktioniert nach dem Prinzip des Einpflanzens, bzw Einpfropfens.

 

Rezept gegen Durchfall

Man nimmt ein rohes Ei und legt es in Höhe des Nabels auf den Bauch. Währenddessen stellt man sich vor wie die Krankheit auch Teil des Eis wird. Sobald das Ei warm geworden ist, nimmt man es vom Bauch und kocht es bis es hart wird. Dabei spricht man:

So wie das Innere des Eis fest ist, wirst auch du fest.

 

Ritual bei Leistenbrüchen aus dem 17. Jahrhundert

Man sucht im Frühling bei abnehmendem Monde sich im Walde oder sonst im Freien einen jungen, in Blättern stehenden, gesunden Eichenbaum von der Stärke eines halben Fußes im Durchmesser und magnetisiere denselben. Man stellt sich in einer Entfernung von drei bis sechs Schritten auf die Südseite des erwählten Baumes, bestimmt eine rechte und linke Seite, wodurch die beiden Pole gebildet werden und die Scheidelinie ist in der Mitte.
Mit einem neuen, fingerlangen, eisernen, nicht rostigen Nagel ohne Kopf, den man in der rechten Hand hält, folgt man, von den Blättern an, den Neben- und Hauptzweigen des Baumes in der Richtung zum Stamm und führt dann die Striche in der Luft, jedesmal bis zur Wurzel hinab. Ebenso verfährt man mit der Nordseite des Baumes sowie mit der Ost- und Westseite. Alsdann wird der Kranke unter den Baum so gebracht, dass sein Gesicht nach Mittag gerichtet und sein Rücken an die Südseite des Baumes gelehnt ist. Man lässt den Bruch von den Kleidern frei machen, bestreiche ihn drei Male kreuzweise mit dem Nagel und schlägt den Nagel an der Südseite des Baumes so tief hinein, dass er nicht mehr mit der Rinde in gleicher Höhe, sondern tiefer eingedrungen ist. Das Loch klebt man mit etwas Baumwachs zu. Sowie die Stelle verwachsen und mit neuer Rinde versehen ist, verschwindet auch der Bruch.

 

Ritual bei Leistenbruch Nr2

Man nimmt einen Nagel aus einem Totensarge, berühre mit dem Kopf desselben den Bruch in der Mitte, wo er am weichsten ist. Alsdann lasse man den Menschen barfuss oder auf Socken zu einem Eichenbaume gehen, stelle ihn an den Baum und schlage den Nagel dicht über seinem Kopf in den Baum. So wie der Nagel im Baume verwächst, vergeht auch der Schaden. Probatum est!

 

Tierknochen gegen Gicht

Gegen Gicht und Schwindel überstreiche man die erkrankten Teile bei abnehmendem Mond mit dem Rippenknochen eines Tieres und spreche dabei:

Knochen, ich klag’ dir,
der Schwindel plaget mir,
Knochen gewinnt,
Schwindel verschwind.
Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes,
Amen.“

 

Kinder backen – Heilzauber

So nannte man einen alten Brauch wenn Kinder krank waren. Man fertigte aus Brotteig einen Abdruck des Kindes und steckte ihn in den Backofen. So wurde das Kind gesund gebacken.

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